Achtung Feuerbrand

Veröffentlicht von Sabine Hauck
Aktuelles >>

 

Das Landwirtschaftsamt teilt mit:


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Vereinsvorsitzende, Fachwartinnen und Fachwarte,
als ob Corona und Schwarzer Rindenbrand nicht schon genug wären,
sieht es momentan danach aus, dass sich der Bakterielle Feuerbrand
wieder auf dem Vormarsch befindet.
Bei den älteren Obsterzeugern und Stücklesbesitzern keimt unverzüglich
die Erinnerung an die verheerenden Schäden, die der Bakterielle Feuerbrand
vor über dreißig Jahren verursacht hatte, wieder auf. Damals
mussten im gesamten Landkreis hunderte großer und landschaftsprägender
Birnbäume und sogar ganze Obstanlagen gerodet werden.
Vermutlich verursachten die Spätfrostnächte Ende April und Anfang Mai Rinden- und Fruchtschäden
und schufen somit Eintrittspforten für den Feuerbranderreger. In einer Obstanlage in
Fellbach mussten bereits über 60 Apfelbäume gerodet werden. Aber auch aus Kernen und
Schlat bei Göppingen liegen Befallsmeldungen vor.
Alle Erwerbsobstbauern, Hausgärtner und Stücklesbesitzer sind nun aufgefordert, vorsorglich
ihre Bäume auf einen möglichen Befall hin zu kontrollieren. Nur laufende Kontrollen verhindern,
dass sich wieder eine größere Feuerbrandepidemie aufbaut. Vom Feuerbrand befallen
werden: Apfel, Birne, Quitte, bei den Obstgehölzen; Weißdorn, Feuerdorn, Rotdorn, alle
Cotoneasterarten, Mehlbeere, Eberesche und Zierquitte bei den Ziergehölzen. Steinobstbäume
(Zwetschge, Pfirsich oder Kirschen) werden nicht befallen. Da sich der Erreger während
der Sommermonate vornehmlich durch blütenbesuchende Insekten verbreitet und die Blütezeit
der genannten Wirtspflanzenarten sich vom Frühling bis weit in den Sommer hinein erstreckt,
sind für die Bakterien während der gesamten Vegetationsperiode günstige Infektionsbedingungen
vorhanden. Hochanfällige Wirtspflanzen, wie der bodendeckende Cotoneaster
oder Ziersträucher wie die Scheinquitte, welche stark verbreitet sind, spielen bei einer eventuell
unerkannten Verbreitung eine wichtige Rolle.
Symptome:
Plötzlich welkende Triebe oder Astpartien sind die ersten Anzeichen für einen möglichen Befall.
Typisch sind sie krückstockartigen Verkrümmungen der Triebspitzen. Die oft erwähnten
und auf den Bildern deutlich sichtbaren Schleimtröpfchen sind jedoch nicht immer vorhanden
oder sofort sichtbar. Dies hängt maßgeblich von der Temperatur und der Luftfeuchte ab.
Ein Befall durch die Pilzkrankheit Monilia zeigt äußerlich ähnliche Symptome. Im Unterschied
zum Bakteriellen Feuerbrand ist bei der Monilia jedoch der Übergang zwischen gesundem und
krankem Holz deutlich abgegrenzt. Um dies festzustellen muss nur die Rinde aufgeschnitten
werden. Die Übergangsstelle erscheint beim Feuerbrandbefall fließend, bei der Monilia ist eine
deutliche Grenze erkennbar.
Besonders auffallend sind die Neubefälle in der Nähe alter Birnbäume, die bereits vor Jahren
infiziert und nur unzureichend ausgeschnitten wurden. Sofern ein wieder erwachter Altbefall
oder eine Neuinfektion festgestellt wurden, muss in jedem Fall sofort 25 cm in das gesunde
Holz zurückgeschnitten und das Schnittgut umgehend vernichtet werden. Dies erfolgt am besten
durch Verbrennen an Ort und Stelle. Um einen Fehlalarm bei der Feuerwehr zu vermeiden,
sollten Sie es jedoch bei der örtlichen Polizei melden, wenn Sie beabsichtigen, eine Feuerstelle
einzurichten. Kleinere Mengen könnten auch über den Hausmüll entsorgt werden.
Keinesfalls sollte auf eine mögliche Genesung des Baumes gewartet werden.
Pflanzenschutzmittel sind übrigens nicht zugelassen.
 

 

Zuletzt geändert am: 14.06.2020 um 12:04

Zurück